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Warum so reißerisch? Antenne Bayern und der „Amoklauf in Franken“

Liebe Redaktion von Antenne Bayern,

schlimm war das, was sich gestern in Franken ereignet hat. Ein möglicherweise psychisch kranker Mann hat nach derzeitigem Stand zwei Menschen erschossen.

Nebenbei bemerkt: Was ich mehr als gewöhnungsbedürftig fand, war die Art und Weise Ihrer Berichterstattung im Radio und auf Ihrer Website. Sie war ziemlich reißerisch und um journalistische Standards haben Sie sich gestern einmal wieder, sagen wir, wenig bis nicht gekümmert:

Antenne Bayern

Diese hier schon zu vernehmende permanente Aufgeregtheit in den Nachrichten und Moderationen war mehr als gewöhnungsbedürftig, wie ich finde.

„Davon ausgehen, dass auf jeden Fall…“

Besonders zweifelhaft fand ich auch die Idee, ein junges Mädchen in die Sendung zu schalten, das offenbar durch den Fahndungsaufruf der Polizei auf den Täter aufmerksam geworden war:

Antenne Bayern

Wir fassen zusammen: Wir wissen nichts Genaues, aber wir haben jetzt diesen O-Ton von dem Mädchen und müssen ihn irgendwie raushauen. War es so? Bemerkenswert auch die Formulierung Ihrer Moderatorin. Zitat:

Wir wissen sonst noch nicht mehr. Wir haben noch keine bestätigten Zahlen über eventuelle Todesopfer. Es ist davon auszugehen, dass auf jeden Fall zwei Personen heute Vormittag ums Leben gekommen sind. Wir wissen leider noch nichts über den Täter, auch nicht über die Hintergründe, aber wir halten Sie natürlich hier auf Antenne Bayern auf dem Laufenden.

„Davon ausgehen“ und „auf jeden Fall“ in ein und denselben Satz zu packen, ist ziemlich kühn. Bei den meisten Hörern dürften wohl die Begriffe „Todesopfer“, „auf jeden Fall“ und „ums Leben gekommen“ hängen geblieben sein. Und darauf legen manchen „Journalisten“ es ja schließlich an.

Auch die bereits kurz nach zwölf Uhr von Ihnen gesendete Info, es handele sich bei dem Täter „nach ersten Informationen wohl“ um einen 18-Jährigen, hat sich kurze Zeit später als falsch herausgestellt.

Antenne Bayern

Sinnvoll wäre es gewesen, auf eine „zweite“ oder „dritte“ oder gar eine von der Polizei bestätigte Information zu warten, bevor Sie sich am Gerüchtestreuen beteiligen und ihre Hörer womöglich verunsichern.

Nachrichtensprecher: „Heldenhaftes Verhalten“

Den ganzen Nachmittag und Abend haben Sie dann noch einen weiteren O-Ton bei jeder sich bietenden Gelegenheit gesendet. Der Nachrichtensprecher spricht ziemlich unjournalistisch gar von „heldenhaftem Verhalten“ der zitierten zwei Männer – und natürlich davon, dass nur Antenne Bayern sie exklusiv Interviewt hat. Auch wenn den Hörern die Schilderung leider nicht wirklich neue Fakten liefert, sondern offensichtlich nur eines tut: emotionalisieren:

Antenne Bayern
Quelle: antenne.de/Screenshot
Quelle: antenne.de/Screenshot

Ähnlich Plattes war später in den Nachrichten zu hören. Es war die Ankündigung Ihres Nachrichtensprechers, man könne „exklusive Bilder vom Täter und der Festnahme“ auf Ihrer Website ansehen:

Antenne Bayern

Von engagiertem Journalismus kann man hier wohl eher nicht sprechen. Was sollen den Hörern diese Bilder sagen? Dass Ihre Reporter eine Kamera haben und mal eben rüber in das Dorf gefahren sind?

Schöne Grüße, Ihr Ekki Kern

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